Hafeneinfahrt und Bahnhof um 1910 (Archiv Berthold Brinkmann) Um 1910 (Archiv Berthold Brinkmann) Hafeneinfahrt mit Fährschiff um 1930 (Sammlung Detlev Preuß) 04 Um 1930 (Sammlung Detlev Preuß) Um 1930 (Sammlung Detlev Preuß) Fährschiff im Hafenbecken 1936 (Archiv Berthold Brinkmann) Fährschiff im Hafenbecken 1936 (Archiv Berthold Brinkmann) Warnemünde um 1940 (Sammlung Detlev Preuß) Fährschiff Schwerin um 1940 (Archiv Berthold Brinkmann) Fährschiff der DR Warnemünde zwischen den Molen 1965 (Sammlung Peter Noak) Fährschiff Warnemünde der DR 1966 (Sammlung Peter Noak) Tunnelhaus mit Bahndurchfahrt um 1980 (Archiv Hans-Heinrich Schimler) Bahnmeisterei 1982 (Archiv Hans-Heinrich Schimler) Dänisches Fährschiff im Warnemünder Hafen vor 1989 (Foto Hans-Heinrich Schimler) Luftaufnahme 1993 (Foto Hans-Heinrich Schimler) Luftaufnahme 1993 (Foto Hans-Heinrich Schimler) Fährbecken 2008 (Foto Berthold Brinkmann) Fährbrücke 2008 (Foto Berthold Brinkmann) Ehemalige Wagenhalle 2008 (Foto Berthold Brinkmann) Ehemalige Wagenhalle 2008 (Foto Berthold Brinkmann) Bahnhof Warnemünde 2016 aus Süden (Foto Berthold Brinkmann) Bahnhof Warnemünde 2016 aus Norden (Foto Berthold Brinkmann) Warnemünde 2016 (Foto Berthold Brinkmann) Bahnhofsvorplatz 2022 (Foto Hans-Heinrich Schimler) Bahnhof Warnemünde 2017 (Foto Hans-Heinrich Schimler) (Foto Berthold Brinkmann) (Foto Berthold Brinkmann) Bahnhofsgebäude 2022 (Foto Hans-Heinrich Schimler) Bahnhofsgebäude 2022 (Foto Hans-Heinrich Schimler) Bahnhofsgebäude 2017 (Foto Hans-Heinrich Schimler) Bahnhofsgebäude 2022 (Foto Hans-Heinrich Schimler) Bahnhofsgebäude 2022 (Foto Hans-Heinrich Schimler) Bahnhofsgebäude 2022 (Foto Hans-Heinrich Schimler) Bahnhofsgebäude 2022 (Foto Hans-Heinrich Schimler) Bahnhofsgebäude 2022 (Foto Hans-Heinrich Schimler) Bahnhofshalle 2022 (Foto Hans-Heinrich Schimler) Bahnhofshalle 2022 (Foto Hans-Heinrich Schimler) Bahnhof 2017 (Foto Hans-Heinrich Schimler) Säule mit Kapitell 2022 (Foto Hans-Heinrich Schimler) Historisches Stellwerk 2019 (Foto Berthold Brinkmann) Eisenbahnerhaus 2017 (Foto Hans-Heinrich Schimler) Blick vom Alten Strom 2022 (Foto Hans-Heinrich Schimler) Anschlussgleise zum Bahnhof 2008 (Foto Hans-Heinrich Schimler) Bauarbeiten 2010 (Foto Hans-Heinrich Schimler) S-Bahn 2015 (Foto Berthold Brinkmann) jquery photo viewerby VisualLightBox.com v6.1


HISTORISCHE ROSTOCKER BAUWERKE
Am Bahnhof 4, 5, 8, 9
(historische Bahnhofsanlage einschließlich Bahnsteig 3/4 und Stellwerk)
Text und Fotos: Hans-Heinrich Schimler
Fotos: Berthold Brinkmann

Am 1. Oktober des Jahres 1903 begann für Warnemünde eine neue Ära. An diesem Tag nahm die neue Eisenbahnfährverbindung zwischen Warnemünde und dem dänischen Gedser ihren offiziellen Betrieb auf. Tags zuvor war Großherzog Friedrich Franz IV. anlässlich der Eröffnung der neuen Fährverbindung nach Warnemünde gekommen und war mit dem nach ihm benannten neuen deutschen Fährschiff nach Gedser weitergereist. Dort wurde er vom dänischen König Christian IX. empfangen. Gemeinsam fuhren sie dann mit der dänischen Fähre „Prins Christian“ nach Warnemünde. Die erste Eisenbahnfährverbindung zwischen Deutschland und Skandinavien war eröffnet. Eine durchgehende Bahnverbindung zwischen Berlin und Kopenhagen war möglich geworden. Zu den dafür erforderlichen Einrichtungen gehörte neben den beiden Fähranlegern auch ein neuer Personenbahnhof mit Empfangsgebäude, einem Dienstgebäude zwischen Bahnsteig 3 und 4, Fürstenhaus, Postamt und Stellwerk. Dieser neue Bahnhof wurde ebenfalls am 1. Oktober seiner Bestimmung übergeben. Das Bahnhofsgebäude übt seine Wirkung durch einen gelben Klinker aus. Zahlreiche Schmuckelemente wie Putzspiegel, rundbogige Fenster und Türen, hölzerne Ornamente und Fachwerk in den Giebeln verstärken die eindrucksvolle Gestaltung der Bauten. Im Inneren des Empfangsgebäudes gibt es besonders eindrucksvoll strukturierte Holzdecken. Das Erdgeschoss beherbergte die Einrichtungen für den Fahrgastverkehr. Im Obergeschoss gab es eine Dienstwohnung für den Bahnhofsvorsteher. Die anderen Bauten des Bahnhofs, wie der Fürstensaal, waren ähnlich wie das Haupthaus gestaltet. Ein zweites Gebäude auf dem Bahnhof wurde ausschließlich als Dienstgebäude genutzt. Hier hatten unter anderem die Zugführer und die Bahnsteigaufsicht ihre Büros und Aufenthaltsräume. Die historische Bahnsteigüberdachung wird von gusseisernen Säulen mit Kapitellen getragen. Das Stellwerk östlich der Gleise ist ein Fachwerkbau. Auch der Fußgängertunnel, der die Gleise 4,5 und 6 des Bahnhofs in Richtung Neuer Strom unterquerte, gehört zur damals geschaffenen Bahnhofsanlage.

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1949 (zum Vergrößern klicken)

Auf 1993 entstandenen Luftaufnahmen sind die Bahnhofsanlagen einschließlich des Fährbeckens gut zu betrachten. In einem der beiden Fährbecken liegt das Fährschiff „Warnemünde“. Die Gleise zum Fährbecken sind ebenfalls zu erkennen. Auch die alten Grenzsperren sind noch vorhanden. Das Abfertigungsgebäude aus Holz entstand in den 1930er Jahre. Die Bauten dienten noch 1993 zur Abfertigung der Fährpassagiere.
Zu erkennen sind der Ringlokschuppen mit der Drehscheibe und dem Wasserturm. Aus persönlichem Erleben berichtet der Rostocker Autor und Marinehistoriker Reinhard Kramer: „Wenn mein Großvater den Personenzug nach Warnemünde fuhr (S-Bahn gab es ja noch nicht) ging es immer nach dort in die Bekohlung. Erinnere mich noch an den Schienenkran und die kondensierenden 57er, 64er und zuletzt 62er Dampflokomotiven. Die fuhren dann schon Doppelstock und auch im Wendezugbetrieb.“ Erhalten geblieben ist auch der Triebwagenschuppen.

Der gebürtige Cuxhavener Wasserbau-Ingenieur und Baubeamte Karl Friedrich Kerner war 1885 als Hafenbaudirektor in Rostocker Dienste getreten und sollte sich mit seiner Arbeit große Verdienste erwerben. Unter Kerners Leitung begann 1886 der erste größere Umbau des Warnemünder Hafens für den Dampfschiffsverkehr nach Dänemark. 1897 begann unter Kerners Leitung der Bau des Warnemünder Leuchtturms, der 1898 vollendet wurde. Von 1900 bis 1903 erfolgte der zweite Umbau des Warnemünder Hafens zur Einführung der Eisenbahnfährschifffahrt nach Dänemark. Die Trajektanlage Warnemünde entstand ebenfalls unter der Leitung Kerners, der auch für den anzulegenden Neuen Strom verantwortlich war.
Die Bauarbeiten für den Fährhafen begannen am 13. September 1900 mit Rammarbeiten an der zukünftigen Ostmole. Am 18. Januar 1902 wurde der Durchbruch der neuen Warnowmündung vollzogen. Mit einer Feier wurde am 21. Februar 1903 die Öffnung des Neuen Stroms begangen. 

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Um 1940 (zum Vergrößern klicken)

Die alten Eisenbahnerhäuser am Weg vom Bahnhof zum Neuen Strom sind 1993 noch da. Ihre dazugehörigen Hausgärten grenzten direkt an den Ringlockschuppen. Die beiden Häuser waren im Jahre 1903 im Zusammenhang mit dem Bau des neuen Warnemünder Bahnhofs errichtet worden. Sie dienten als Wohnbauten für Beamte der Bahn. So sind im Warnemünder Adressbuch von 1928 unter der Rubrik „Isoliert liegende Grundstücke, 2. Auf der Ostseite des alten Stroms“ die Dienstwohnungen hinter dem Personenbahnhof am neuen Strom“ verzeichnet, in denen die Stellwerksmeister H.Piehl, und Wilhelm Hintze, der Bahnmeister Ludwig Hellwig sowie der Wagenmeister Otto Quindt gemeldet waren. In der Zeit nach 1990 ging das eigentlich erhaltenswerte Ensemble für Warnemünde verloren.

Westlich neben den Gleisen im Bahnhofsbereich stand das Dienstgebäude der Bahnmeisterei. Von dort aus wurde die Streckeninstandsetzung verantwortet. Eine um 1982 entstandene Aufnahme zeigt die Situation, als allmählich die "Birkengrau/Meerblau" lackierten Doppelzüge die Grünen ablösten. Der Wagenpark scheint dort abgestellt zu sein. Zu sehen ist auch, das die Masten für die Elektrifizierung schon stehen, die am 30. September 1985 in Betrieb ging. Das Abstellgleis hinter dem Güterschuppen reichte damals bis an den heutigen Bau des Reisebüros. An die beiden abgestellten Güter- und Packwagen kann sich Reinhard Kramer noch gut erinnern. Der Bahnsteig 1 wurde selten bedient, meist durch Fernzüge in den Abendstunden, die dort wegen der Gleislänge über den Tag dort abgestellt werden konnten. So behinderten sie nicht den Rangierbetrieb zum Bahnbetriebswerk und zur Fähre. Das Hauptgebäude des Bahnbetriebswerkes hatte auch eine Beschriftung  „Warnemünde“ und war später Lehrlingswerkstatt.

Aus all den Bauten des Bahnhofs hätte durchaus ein Museum werden können. Aber dazu ist es in Warnemünde nicht gekommen. Unsere dänischen Nachbarn in Gedser haben gezeigt, was möglich ist. Das dortige Eisenbahnmuseum Gedser Remise bietet den Besuchern viel Interessantes zur dänischen Eisenbahngeschichte.

Mit dem Bau des neuen Bahnhofs wurde eine Querung des Alten Stroms erforderlich. So wurde parallel zu den Bahnhofsbauten eine Drehbrücke errichtet. Sie blieb bis heute erhalten und wurde ebenfalls ein Baudenkmal.
Die Brücke besteht aus einem 15 Meter langen und 8,5 Meter breitem Teil, das auf einem betonierten Auflager am Westufer des Alten Stroms ruht. Zum anderen entstand der östliche Teil der Brücke mit einer Länge von 30 Metern und einer Breite von 7 Metern. Dies ist der drehbare Teil der Brücke mit einem Drehkranz auf einem mittigen Auflager. Die Auflagerbauwerke und die Uferbefestigungen sind mit Granitverblendungen verkleidet. Es handelt sich um ein Zyklonenmauerwerk. Genietete Stahlträgerkonstruktion mit einer Stahlblechbeplankung, der hölzerne Brückenbelag und das Brückengeländer prägen das Aussehen der Brücke. Teile der Drehtechnik sind für die Passanten sichtbar.

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Um 1890 (zum Vergrößern klicken)

Doch die Eisenbahn war schon einige Jahre zuvor in Warnemünde angekommen. Am 1. Juli 1886 erreichte der erste Zug der Lloydbahn das Seebad. Der dafür erforderliche Bahnhof wurde direkt am neuen Hafenbassin südlich des Alten Stroms errichtet. Das stattliche Bahnhofsgebäude war ein durchaus sehenswertes Bauwerk. Die Reisenden nach Dänemark konnten sich vom Bahnsteig aus unmittelbar zu den Postdampfern begeben. Die Postdampfer steuerten den Hafen in Nyköbing an. Damit war dies die erste Fährverbindung zwischen dem deutschen Reich und dem Königreich Dänemark.
Doch bald reichte diese Verkehrslösung nicht mehr aus. Schnell fasste der Gedanke in der Schweriner Direktion der „Großherzoglich Mecklenburgischen Friedrich Franz Eisenbahn“ Fuß, zusammen mit der „Dänischen Staatsbahn“ eine Eisenbahnfährverbindung nach dem dänischen Vorbild einzurichten. Dazu war nun erforderlich, im Bahnhofsgebäude eine Durchfahrt für die Züge zum neuen Warnemünder Bahnhof zu schaffen. Das Empfangsgebäude hieß im Volksmund so bald Tunnelhaus.
Neben Diensträumen waren im Hause auch wieder Wohnungen für Bahnbeamte eingerichtet worden. Mit der Elektrifizierung der Strecke im Jahre 1985 reichte die Höhe des Tunnels nicht mehr für die Durchfahrt aus. So musste in den Jahren 1984/85 ein Teil des Empfangsgebäudes abgetragen werden.

Im Dezember 2014 wurden die Reste des Hauses schließlich abgerissen um Platz für Neues zu machen. Damit ist das Haus endgültig Geschichte. Die Bewohner sind in andere Wohnungen gezogen. Der alte Bahnhof wurde am 30. September 1903 geschlossen und diente noch bis in die 1990er Jahre als Güterbahnhof. Das Gelände wurde jetzt Teil des Wohnparks „Am Molenfeuer“.

 

 

 

 

 

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