Als es in Rostock herrschaftlich wurde
Die mecklenburg-schwerinsche Landesherrlichkeit ist nicht nur rund ums Schloss zu sehen. Auch in Rostock entstanden zahlreiche herzogliche und großherzogliche Bauten.
Text und Fotos: Hans-Heinrich Schimler
Am heutigen Universitätsplatz entstand im 18. Jahrhundert das herzogliche Palais für den amtierenden Landesherrn. Dabei flossen erhaltene Teile dreier Vorgängerbauten in den Entwurf ein, von denen die Keller mit Tonnengewölbe noch erhalten sind. Gebaut wurde das Haus 1714 unter Herzog Carl Leopold als Residenz für die herzogliche Familie. Innerhalb der absolutistischen Bestrebungen des Landesherrn verhalf dies Rostock immerhin zum Status einer zeitweisen Residenz. Carl Leopold hatte das Grundstück mitten in der Hansestadt von der Universität erworben, preiswert um nicht zu sagen billig, so ist es zu lesen. Dem notorisch klammen Herzog kam das sicher entgegen. Das Haus - es diente später auch als Witwensitz - fiel entsprechend bescheiden aus. Bemerkenswert ist der von zwei Säulen getragene Balkon mit dem mecklenburgischen Stierkopf im Gitter. Die mit Stuckdecken verzierten Räume werden einschließlich des einstigen Schlafzimmers der Herzogin von der Universität genutzt. Zwischen dem Palais und der später benachbarten Neuen Wache gab es eine Mauer. Hinter ihr wurde im Jahre 1749 nach Abriss der Regentien „Roter Löwe“ und „Einhorn“ der Palaisgarten angelegt, dessen Bäume über der Mauer zu sehen waren.
In Ergänzung des Palais entstand 1750 der Barocksaal. Die Entwürfe lieferte der französische Architekt Jean Laurent Legeay, der drei Jahre zuvor auch am Bau der an das Pantheon in Rom orientierenden Berliner Hedwigskirche beteiligt war. Legeay erhielt nach der Rostocker Arbeit einen Posten in Schwerin, wo er sich dann mit dem Schlossgarten beschäftigte. Der Festsaal ist in den spätbarocken Frührokokostil einzuordnen. Mit der Zeit geriet er in Vergessenheit und bröckelte vor sich hin. Schon für das verbleibende 19. Jahrhundert ist keine brauchbare Nutzung überliefert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Erdgeschoss zunächst vom Amtsgericht als Gerichtssaal und seit 1953 von der Universität als Lesesaal genutzt. 1955 befand sich ein von der HO betriebenes Café in den Räumen. Dann jedoch erwiesen sich die Bauschäden als derart gravierend, dass das gesamte Gebäude geschlossen werden musste. Zwischen 1963 und 1968 wurde es umfassend erneuert. Dabei handelt es sich zweifellos um eine der bedeutendsten denkmalpflegerischen Leistungen jener Jahre.
Die Neue Wache am Universitätsplatz ist sogar in der Literatur verewigt: hier verlor das Pferd von Brinckmans Helden Kaspar Ohm aufgrund eines Trommelwirbels die Nerven und ging durch. Zu diesem Zeitpunkt diente der klassizistische Prachtbau auch noch dem Zweck, der in seinem Namen steckt – es war eine Wache. Geistiger Vater des Hauses ist der Schweriner Landesbaumeister Carl Theodor Severin. Hinter der alles dominierenden dorischen Säulenreihe verbergen sich die Vorhalle und zwei Etagen im Inneren. Die Bauzeit der Neuen Wache fällt in die Jahre 1822 bis 1825.
An die Wache schließt sich die Adlersburg an: Als im Jahre 1911 das vom Geheimen Baurat und Architekten Hermann Schlosser entworfene Physikalische Institut vollendet wurde, entstand auch die davor gesetzte Adlersburg neu. Sie diente als Torhaus des neuen Instituts. Allerdings handelte es sich dabei um die Rekonstruktion des gleichnamigen Vorgängerbaus, der bereits vor 1500 als Regentie Adlersburg erwähnt wurde. Im 15./16. Jahrhundert war sie ein Wohn- und Studienhaus der für Studenten der Universität. Ein Professor führte Regie. Im 17. Jahrhundert wohnte hier zeitweilig auch der berühmte Naturwissenschaftler Joachim Jungius. Der Name Adlersburg rührt vom Bild eines Adlers her, das über dem Portal des Hauses zu sehen ist.
Das Oberappellationsgericht vervollständigt das Ensemble. Hier kommt der Name des Architekten Georg Adolph Demmler ins Spiel. Er schuf einen Justizbau mit Portalvorhalle und Dreiecksgiebel, der Betrachter an Palastbauten in deutschen und anderen europäischen Landen erinnert. Wie auch seine Nachbarn wurde das Haus um 1980 hell gestrichen. Alte Vorlagen zur farblichen Gestaltung gaben den Ausschlag für das Bild, das sich uns heute darbietet. 1999 war das Jahr der umfassenden Sanierungsarbeiten an dem aus Neuer Wache, Torhaus und Oberappellationsgericht bestehendem Ensemble abgeschlossen. Eine Gedenktafel erinnert an die 1775 gegründete zoologische Sammlung der Universität und an die Einrichtung des Zoologischen Instituts im Jahre 1880. Das Gebäude wird von der 1775 gegründeten Zoologischen Sammlung der Universität Rostock genutzt.
Das Neue Museum, links vom späteren Universitätsneubau errichtet, entstand im Jahre 1844, und wieder war es Demmler, der die Pläne lieferte. Zur Bauzeit stand dort noch das so genannte Weiße Kolleg. In den Jahren 1867 bis 1870 wich es dem Bau des heutigen Universitätshauptgebäudes im Stil der italienischen Renaissance. Die Entwürfe lieferte der Schweriner Hofbaurat und Architekt Hermann Willebrand. Anregungen holte sich der Baumeister zum Beispiel am Wismarer Fürstenhof, den Renaissanceflügeln des Schweriner Schlosses – und aus Venedig von der Scuola Grande di San Marco. Das Ergebnis der daraus folgenden Schöpfung des Architekten war ein wahrlich prächtiges Bauwerk, das die Westseite des heutigen Universitätsplatzes bis heute prägt.
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